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12.01.10

2010: Matteo Ricci Jahr

Matteo Ricci (1552-1610)

Matteo Ricci

 

Wissenschaftler, Vorreiter, Grenzgänger. Matteo Ricci, gebürtig aus Macerata in Italien, studierte in Rom Rechtswissenschaften, Philosophie und Theologie, und trat dann in die Gesellschaft Jesu ein. Alsbald reifte in ihm die Entscheidung in die Mission zu gehen. Für dieses Vorhaben wurde er nach China geschickt, mit seinem Mitbruder Michele Ruggeri.

 

Nach sechsmonatiger Reise, kamen sie am 13. September 1578 in Gao an. 1582 waren sie in Macao, um die chinesische Sprache zu erlernen. Im September 1583 erhielt er vom Präfekten der Provinz Kanton die Erlaubnis, sich in der Verwaltungsstadt Zhaoqing im Südwesten Chinas nieder zu lassen, wo er zwölf Jahre verbrachte.

 

Ricci ist der eigentliche Begründer der Akkomodationsmethode. Er lernte die Landessprache und studierte die chinesische Literatur. Trat Ricci zunächst in der Rolle und Kleidung buddhistischer Mönche auf, so bemerkte er bald deren schlechtes Image und schlüpfte deshalb ins seidene Gewand des konfuzianischen Gelehrten. Er nahm einen chinesischen Namen an, Li Madou, und trat als „Weiser aus dem Westen“ auf. Er übernahm die Lebensgewohnheiten und Umgangsformen chinesischer Gelehrter, mit denen er Beziehungen pflegte. 1595 war Ricci in Nangking. 1597 wurde er Oberer der chinesischen Mission und unternahm ein Jahr später den Versuch, in Bejing festen Fuß zu fassen. Aber erst ein zweiter Vorstoß hatte Erfolg: Am 24. Januar 1601 traf die Erlaubnis von Kaiser Wan-Li ein, die ihm die Tore Pekings öffnete.

 

Wegweisend wurde Ricci dadurch, dass er die geistige Auseinandersetzung suchte und an der klassischen chinesischen Philosophie anknüpfte. Mit seinem Buch „Die wahre Lehre über den Herrn des Himmels“, das 1603 erschien und in Dialogform über Gott, den Menschen und den Weg zum ewigen Leben handelt, bot er eine christliche Philosophie in chinesischem Gewand.

 

Überdies erkannte Ricci die Bedeutung der Vermittlung europäischer Wissenschaft, der Technologie und der Künste für den Dialog mit der Führungsschicht. Daher sind die Jesuitenmissionare vor allem als Mathematiker und Astronomen tätig, als Architekten, Maler, Uhrmacher und Kartographen. So fertigte Ricci eine Weltkarte an, mit der er Chinas Anspruch als Reich der Mitte bestätigte, doch zugleich das sinozentrische Weltbild überwand, indem er auch die gesamte übrige Welt einzeichnete.

 

Als Adressaten seiner missionarischen Vorgehensweise sah Ricci die konfuzianische Bildungselite, die zu seinem wahren Gesprächspartner wurde. Er wollte nachweisen, dass die christliche Lehre mit den besten Traditionen Chinas nicht nur kompatibel war, sondern ihre Erfüllung darstellte. Ricci praktizierte aber nicht nur eine äußerliche Anpassung an die Kultur, sondern hatte eine innere Interkulturalität im Auge, in der es zum wissenschaftlichen Austausch und zum geistigen Dialog kommt. Dies drückt sich in einem weiteren Element der Missionskonzeption aus, nämlich der indirekten Verbreitung des Glaubens durch Wissenschaft und Technologie, der seine Übersetzungen mathematischer Werke diente. Der Bezug zu den Eliten des Landes hatte überdies zum Ziel, den Kaiser zu erreichen und möglicherweise zum Christentum zu bekehren, um dann „von oben“ das ganze Reich zu christianisieren. All diese Elemente einer Akkomodation kamen auch in der Folgezeit zum Tragen und wurden von Gestalten wie Adam Schall von Bell und Ferdinand Verbiest weitergeführt, die Zugang zum Hof hatten. Damals galten diese Elemente als verdächtig, doch nach heutigem Konsens gehören diese Elemente der Adaption an die chinesische Kultur, der Offenheit für die konfuzianisch geprägte chinesische Wertewelt, die möglichst weit „oben“ ansetzende Missionierung und der Einsatz der Wissenschaften und Künste als indirekte Weise der Glaubensverbreitung zur Methode der Akkomodation im asiatischen Raum.

 

Matteo Ricci starb am 11. Mai 1610 in Peking. Sein Ansehen war so groß, dass bei seinem Tod 300 Glocken läuteten und ihm der Kaiser Grund und Boden für eine Grabstätte zuweisen ließ.