jesuitenmission > home 

16.01.10

Nachricht aus Santo Domingo

Pater Martin Lenk SJ aus Santo Domingo.

Liebe Freunde,

 

Ein herzlicher nachweihnachtlicher Gruß mit den besten Wünschen für Gottes Segen zum neuen Jahr.

 

Eigentlich wollte ich Euch mit Kaplan Clemens Kipfstuhl, der gerade hier zu Besuch ist und am Sonntag zurück nach Deutschland fliegt, mit der üblichen karibischen Verspätung einen kleinen nachweihnachtlichen Weihnachtsbrief schicken, aber die Ereignisse hier haben uns überrollt.

 

Das Erdbeben am Dienstagabend war hier in Santo Domingo nur leicht zu spüren, ich selbst habe davon nichts gemerkt. Dann, nachdem die Nachricht eingetroffen war, war lange Zeit keine nähere Information zu erhalten. In unserem Juniorado-Filosofado, in dem die Jesuitenstudenten Philosophie lernen, sind außer dominikanischen und einem kubanischen Studenten zur Zeit fünf haitianische Studenten und ein haitianischer Priester; an unserer Fakultät sind noch viele andere haitianische Studenten aus anderen Ordensgemeinschaften.

 

Sicher habt ihr viele von den schrecklichen Bildern in den Medien gesehen. Hier war es schrecklich für unsere Leute, die Bilder der Zerstörung zu sehen, ohne von ihren Familien, Freunden und Angehörigen zu wissen. Mittlerweile wissen wir etwas mehr. Die Situation ist unbeschreiblich. Von unseren Jesuiten wurde nur einer schwer verletzt, alle anderen sind wohlauf, aber die Anzahl der Toten und Schwerverletzten in Haiti ist ungeheuer.

 

Pater Moreno, der Direktor unsres Sozialzentrums, ist heute Morgen aus Port-au-Prince zurückgekommen. Ich übersetze schnell einiges, was er heute Morgen um 3:00 Uhr nach der Rückkehr geschrieben hat:

 

P. Kawas hat uns begleitet, um die Situation im Zentrum von Port-au-Prince zu sehen. Ich fasse zusammen: Es ist völlig zerstört. Alle staatlichen Gebäude sind zusammengebrochen. Das erklärt, warum es praktisch noch keine Präsenz der Regierungsstellen gab. Von den Schulen und Kirchen, die wir gesehen haben, ist keine stehengeblieben. Die Kathedrale ist ganz zerstört. Aus dem erzbischöflichen Ordinariat werden noch die Leichen geborgen. Dasselbe gilt für das große Priesterseminar. Wir haben einige Nichtregierungsorganisationen besucht und nur zerstörte Gebäude vorgefunden, die Überlebenden stehen noch ganz unter dem Schock des Vorgefallenen. Das erklärt ein wenig, warum es noch so wenig organisierte Hilfe gibt. Telefonnetz, Wasserversorgung, Strom ist völlig zusammengebrochen.

 

Der Geschäftsteil der Stadt ist am meisten zerstört. Es gibt keine Geschäfte, um etwas zu kaufen, keine Banken. Alles ist zusammengebrochen. Wir haben in dem Geschäftsteil nur Trümmer, Tod und Schmerz vorgefunden.

 

Der große Park, in der Nähe des Präsidentenpalastes, der fast ganz zerstört ist, ist voll von Menschen, die alles verloren haben. Es ist noch keine Logistik für die Lebensmittelverteilung zu erkennen. Wir hoffen, dass das jetzt besser wird, und es Wasser und Nahrungsmittel für die Menschen gibt. Gegen Ende des Tages konnten wir eine Zunahme des Hilfspersonals verzeichnen.

 

In unseren vier Sozialzentren im Land sind wir dabei, Hilfsgüter zu sammeln. Viele Freiwillige sind dabei, Lebensmittel und andere Güter in Empfang zu nehmen.

 

Gestern Nacht ist einer unserer Studenten aus Haiti eingetroffen, um eine schwerverletzte Schwester hier unterzubringen. Morgen in aller Frühe wird er nach Haiti zurückkehren. Zusammen mit unseren haitianischen Studenten werde ich ihn begleiten. Natürlich ist für sie der Schock und die Belastung sehr groß. Nach dem ersten Gefühl der Ohnmacht ist jetzt eine große Geschäftigkeit zu verzeichnen. Die alte Feindschaft zwischen der Dominikanischen Republik und Haiti scheint völlig vergessen, allen geht es darum so viel zu helfen, wie es möglich ist.

 

Viele fragen natürlich, warum so etwas geschehen ist. Eine Frage, auf die wir keine Antwort haben. Die Bischöfe des CELAM in Aparecida haben sehr darauf bestanden, dass wir im leidenden Angesicht vieler Menschen das Antlitz Christi finden. Ich denke, das können wir sagen: Christus ist nicht abwesend, sondern er ist im tiefsten Leid anwesend und lädt uns ein, ihm in den Mitmenschen zu dienen. Wo etwas von der Liebe und Güte im Leid gegenwärtig wird, da ist auch Hoffnung und Leben und Zuversicht auf die Auferstehung hin.

 

Mit der Bitte um Euer Gebet, ganz besonders für unsere leidenden Nachbarn in Haiti,

 

Euer
Padre Martin Lenk SJ

 

Helfen Sie bitte mit Ihrer Spende den Opfern des Erdbebens in Haiti:

 

Spendenkonto
Jesuitenmission
Spendenkonto 16 16 16
Liga Bank, BLZ 750 903 00
Stichwort: 33400 Erdbebenhilfe Haiti

 

Sie können hier auch direkt online spenden: -> Zur Onlinespende

 

Wir danken Ihnen für Ihre Hilfe!