Kinder hungern in Simbabwe

Eine selbst von Hunger gezeichnete Großmutter sorgt für ihr verwaistes Enkelkind.
Bericht Jan Raath, London Times, aus Simbabwe
Rund 15.000 Kinder unter 8 Monaten sind in Simbabwe nahe am Verhungern, hieß es in einem umfassenden Bericht am Wochenende. Das Land, einst die Kornkammer Afrikas, geht wieder einer Hungersnot entgegen.
Die Kinder litten unter „akuter schwerer Unterernährung“. Über ein Drittel der Kinder unter 5 Jahren seien „chronisch unterernährt“, sagt eine Bestandaufnahme unter 38.000 Kindern quer durch alle Distrikte des Landes, die UNICEF zusammen mit örtlichen Agenturen erstellte. Die Studie „offenbarte ein immer schärfer werdendes Problem chronischer Unterernährung und machte die langfristigen Herausforderungen für Überleben und Entwicklung in Simbabwe deutlich“.
Trotz der Versprechen von Präsident Mugabe, seine berühmt-berüchtigte „revolutionäre Landreform“ und seine phantastische Wirtschaftspolitik werde das bankrotte Land wieder aufrichten, sind Hungersnot und Zerfall fester Bestandteil des Landes geworden. Mugabe trompete ständig die souveräne Unabhängigkeit des Landes hinaus, „aber wir waren noch nie so abhängig von ausländischer Hilfe wie jetzt“, so die von Weißen dominierte Commercial Farmers‘ Union.
Die Studie wurde zur selben Zeit veröffentlicht, als Mugabe dem Zentralkomitee seiner ZANU (PF) Partei erzählte, dass das Land keine westliche Hilfe brauche. „Simbabwe wird nicht durch irgendein Land oder eine Organisation, am wenigsten durch den Westen, gerettet“, sagte er. „Wir können nicht unser Geburtsrecht gegen Spendendollars eintauschen.“
Dass die Folgen der Hungersnot nicht noch schlimmer sind, ist einzig der Nahrungsmittelhilfe „durch die internationale Gemeinschaft“ und der erfinderischen Überlebenstaktik der Simbabwer zu verdanken, stellt der Bericht fest.
Fast 35 Prozent aller Kinder unter 5 Jahren sind wegen Unternährung in ihrer Entwicklung zurückgeblieben, so der Bericht weiter. Nur 28 Prozent der Kinder zwischen 6 Monaten und 2 Jahren bekommen das Minimum an täglichen Mahlzeiten. Noch schlimmer: Nur 8 Prozent bekommen eine einigermaßen zufrieden stellende Ernährung.
Die geringen Erträge der Farmen und Mugabes verfehlte Wirtschaftsdirektiven haben die Geschäfte gezwungen, Nahrungsmittel zu importieren und sie zu Preisen zu verkaufen, die für die 80 Prozent der Leute, die unter der Armutsgrenze leben, unbezahlbar sind.
Dieser Nahrungsentzug hat mehrere Konsequenzen für die künftigen Generationen Simbabwes. Chronisch unterernährte Kinder „werden schneller krank, erleiden geistige Beeinträchtigungen, erzielen schwächere Schulergebnisse und sind wirtschaftlich weniger produktiv“, warnt der Bericht.
Die Situation wird sich bald noch verschlechtern. Letzte Woche hat das Hungersnot-Frühwarnsystem in den Vereinigten Staaten gemeldet, dass die Ernte nach dem Regen des letzten Sommers voraussichtlich nur für vier Monate reichen wird, und nicht für neun Monate, wie Mugabes Agrarexperten früher erklärt haben. Das heißt, es müssen 500.000 Tonnen Getreide dringend importiert werden.
Es hat keine ernsthafte Trockenperiode gegeben, auf die Mugabe den Zusammenbruch der Nahrungsproduktion hätte schieben können, sagte Mr. Theron. „Es ist nur die verkehrte Politik der Regierung.“
Beamte im benachbarten Sambia sagten am Wochenende, dass Simbabwe darüber verhandle, eine nicht erklärte Schiffsladung Getreide von Sambias Lagerbeständen zu kaufen, die zum größten Teil von den weißen Farmern produziert wurden, die – aus Simbabwe vertrieben – sich in Sambia niedergelassen haben.
Übersetzung aus dem Englischen: P. Ludwig Wiedenmann SJ