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Sonidos de la Tierra - Klänge der Erde

Ein soziales Musikprojekt in Paraguay

Musik verändert das Leben benachteiligter Kinder – auf der Straße, in armen Dörfern, auf der Müllhalde. Ein Projekt in Paraguay, das der Musikwissenschaftler, Komponist und Dirigent Luis Szarán gemeinsam mit der Jesuitenmission aufgebaut hat, zeigt, wie so etwas funktioniert.

In den Dörfern der Indianer

Nach dem Motto „Wer tagsüber Mozart spielt, wirft nachts keine Fensterscheiben ein“ hat Luis Szarán im Jahr 2002 „Sonidos de la Tierra“ ins Leben gerufen. Seine Vision von Gewaltlosigkeit, Gemeinschaft und Kultur verwirklicht er mit Musik für junge Menschen. 17 Dörfer in ärmlichen Gegenden wurden ausgewählt. Der Dirigent organisierte Instrumente und stellte einen Lehrer an. Die Eltern sorgten für den Bau der Schule und organisierten Spendengelder. Ein Neustart für das ganze Dorf. Die Kinder sind nun stolze Instrumentenbesitzer, sie haben eine Aufgabe und ein Ziel vor Augen. Das beständige Üben wird zum täglichen Brot, zur  Seelennahrung. „Ziel ist es, eine Kultur der Verantwortung und des Respekt aufzubauen und den Menschen eine Chance zu geben, den erbärmlichen Umständen zu entkommen. Von der Regierung ist keine Hilfe zu erwarten. Wir sind gefragt“, ist Luis Szarán überzeugt. Heute sind aus 17 Dörfern 120 geworden. Insgesamt lernen mehr als 10.000 Schüler bei Sonidos.

Der 11-jährige Rodrigo vor seinem Zuhause - mit Notenständer in der Hand und seiner Geige auf dem Rücken.

Musik auf der Müllhalde

Cateura heißt die größte Müllhalde Paraguays in Asunción. Rund 5.000 Familien wohnen hier in aus Müllresten zusammengebauten Baracken. Sie leben vom Dreck anderer, durchsuchen den stinkenden Abfall nach Glas, Aluminium, Plastik und anderem Recyclingmaterial, das sich für ein wenig Geld an Schrotthändler verkaufen lässt. „Als ich das erste Mal hierher kam und die Menschen auf der Müllhalde leben sah, war ich tief betroffen“, berichtet Luis Szarán. „Ich beobachtete eine Frau, die im Arm ein neugeborenes Baby hielt und mit der anderen Hand Müll sammelte, und wusste, hier muss etwas geschehen.“ Genau hier wollte Luis Szarán ein Zeichen der Hoffnung setzen. Und so gründete er auf der Müllhalde eine kleine Werkstatt zum Bau von Instrumenten und organisierte Musikstunden für die Kinder der Müllsammler. Beide Initiativen sind Teil seines landesweiten sozialen Musikprogramms „Sonidos de la Tierra“, was übersetzt Klänge der Erde bedeutet.


Stimmen und Eindrücke aus Paraguay

Juan Gerardo spielt eine Müll-Querflöte. Die Klappen sind Knöpfe und alte Münzen.

Der 16-jährige Juan Gerardo Ayala aus Carapeguá:

„Ich komme aus Carapeguá. Da meine Eltern den ganzen Tag gearbeitet haben, habe ich mich viel auf der Straße herumgetrieben und bin nicht gern zur Schule gegangen. Eines Tages hat mich ein Freund zum Musikunterricht mitgenommen und ich durfte auf der Querflöte spielen. Das hat mir vom ersten Augenblick an so gut gefallen, dass ich immer weiter geübt habe und jetzt sogar selber unterrichten darf.“

Die 18-jährige Victoria Elizabeth Oviedo aus San Ignacio:

„Musik hat mich schon immer fasziniert, vor allem die Paraguay-Harfe. Aber meine Eltern hätten mir Musikstunden nie bezahlen können. Deshalb bin ich Luis Szarán unendlich dankbar, dass er eine Harfen-Gruppe in meinem Heimatort San Ignacio gegründet hat. Ich habe mich sofort gemeldet und über die Musik hat sich mir eine Welt geöffnet, die vorher nur in meinen Träumen existierte.“

Was wie Müll aussieht, klingt wie ein richtiges Orchester. Die Jugendlichen von Sonidos de la Tierra entlocken den selbstgebauten Instrumenten von der Müllhalde erstaunliche Klänge.

Der 24-jährige Daniel Allende aus Quiindy:

„Als ich neun Jahre alt war, wollte ich Gitarre spielen lernen, aber es gab weder eine Musikschule noch hatte ich das Geld, um das Instrument und den Unterricht bezahlen zu können. Dann bekam mein Vater eine Stelle in Argentinien und versprach, mir zu helfen. Ich sparte jeden Groschen und nutzte jede Pause, um irgendwie dazu zu verdienen. Dann war es geschafft: 120.000 Guaraní, umgerechnet 20 Euro, hatte ich beisammen. Die Gitarre war hässlich und schlecht, aber für mich war sie die beste der Welt. Aber womit sollte ich den Unterricht bezahlen? Sonidos de la Tierra hat mir geholfen. Heute unterrichte ich selbst die kleinsten und ärmsten Sonidos-Kinder auf der Müllhalde in Cateura. Anderswo spielt man im Orchester in Frack und Fliege. Hier ist es schon viel, wenn alle ein weißes T-Shirt haben. Aber sie sind so stolz auf ihr Instrument und auf ihr Spielen, das wiegt alles andere auf.“

Luis Szarán möchte das Musikprojekt auf der Müllhalde und in den Dörfern der Guaraní-Indianer ausbauen. Dafür werden in der Werkstatt auf der Müllhalde 200 neue Gitarren gebaut. Arbeits- und Materialkosten liegen pro Gitarre bei 45 Euro. Außerdem sollen zwölf weitere junge Musiklehrer eingestellt werden, die jeweils 100 Euro pro Monat erhalten. Helfen Sie Luis Szarán, Musik und Bildung in die verarmten Gegenden Paraguays zu tragen!

 

Sie können hier das Projektblatt als pdf downloaden:

Projekt 75110 Sonidos de la Tierra

Land:
Paraguay

Partner:
Luis Szarán 

Zielgruppe:
Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen

Kontext:
Sonidos de la Tierra ist ein landesweites Netzwerk von Musikschulen, Orchestern, Chören, Seminaren und Musikfesten.

Maßnahme:
Arbeits- und Materialkosten für eine Gitarre liegen bei 45 Euro, das Gehalt eines Musiklehrers bei 100 Euro.

Jesuitenmission
Konto 5 115 582
Liga Bank Nürnberg
BLZ 750 903 00
Verwendungszweck:
75110 Sonidos de la Tierra

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Jesuitenmission
Königstr. 64
90402 Nürnberg
Tel. (0911) 23 46-160
www.jesuitenmission.de