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Jesuitenmusik in Paraguay

Verschollen geglaubte Musik wieder zu entdecken und mit neuem Leben zu erfüllen, ist wohl ein Traum vieler Musikbegeisterter.

Luis Szarán hat dieses Abenteuer hautnah erlebt. Bei Restaurierungsarbeiten auf dem Dachboden einer Kirche aus dem 18. Jahrhundert wurden 1972 ganze Bündel von Noten aus alter Zeit gefunden. Es waren Spuren jener Musik, die im 17. und 18. Jahrhundert in den Jesuitenreduktionen, dem so genannten Jesuitenstaat, entstanden ist – europäische Barockmusik, die sich mit indianischer Musikalität verband. Domenico Zipoli, italienischer Jesuit und Missionar, war der bekannteste Komponist dieser Musik. In den mehr als hundert Missionsdörfern der Reduktionen war sie zentraler Bestandteil des Alltags. 1767 wurde das Missionswerk der Jesuiten, das zugleich zu einem Meilenstein der Entwicklung geworden war, durch ein Dekret des spanischen Königs vernichtet. Die Missionare wurden ausgewiesen, die Indianer flohen, die Dörfer zerfielen und die Musik geriet in Vergessenheit.

Eine faszinierende Entdeckung

Der Fund von 1972 war für Luis Szarán der Beginn einer faszinierenden Entdeckungsreise. Unterstützt von der Jesuitenmission in Deutschland hat er die alten Archive in Südamerika und Europa durchsucht, Bücher und Partituren veröffentlicht sowie Musiker in Paraguay und Europa für die alten Werke begeistert. Dank seiner Arbeit erklingt in vielen Konzertsälen weltweit wieder jene alte Musik, die in den Urwäldern Südamerikas entstanden ist. „Wenn mich etwas zutiefst beeindruckt hat in diesen Jahren“, schreibt Szarán, „dann war es das große Erbe der Jesuiten in dieser Region. Mehr als 150 Jahre bestanden die berühmten Reduktionen, und ihr Einfluss hat die Kulturen der Missionsdörfer bis heute geprägt: Das Überleben der Guaraní-Sprache, der Stil eines solidarischen Lebens, den man hier in einer Weise lebt, wie sonst nirgends auf der Welt, und vor allem die Entwicklung einer musikalischen Intelligenz. Nicht nur alte Noten haben überlebt, auch die tiefe Musikalität der Menschen.“