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Hallo ihr Lieben!
Jetzt bin ich schon über eine Woche in Yaguarón. Am Anfang hatte ich ja ein bisschen Angst davor, aus Asunción wegzugehen, weil ich dort schon Freunde gefunden und mich ein bisschen eingelebt hatte.
Aber jetzt geht es mir hier richtig gut. Ich wurde von Russel in Asunción abgeholt. Russel ist 21 und studiert (soweit ich das verstanden habe) Musik. Er spielt jedenfalls auch Querflöte und hat einmal die Woche bei einem Professor in Asunción Unterricht. Zusätzlich soll ich ihm Unterricht geben, aber wir haben bisher noch keinen festen Termin abgemacht. Russel und ich sind dann jedenfalls mit dem Bus nach Yaguarón gefahren, das dauert ca. 2 Stunden und kostet insgesamt ca. 10000 - 12000 Guarani, das sind ca. 1,50 - 2 Euro, das ist ziemlich billig wenn man bedenkt, dass in Deutschland schon eine Busfahrt von Hollage nach Osnabrück 2,50 Euro kostet... Der Bus hält in Yaguarón fast vor Rosas Haustür, aber ich glaube, Russel war trotzdem froh, dass ich nur 23kg mitnehmen durfte! Rosa ist die Frau bei der ich wohne, bzw. bei ihr und zwei ihrer Schwestern (sie hat insgesamt 4 Schwestern und 3 Brüder). Sie ist die Präsidentin der Kooperative von Yaguarón, die ist glaube ich vergleichbar mit unserem Gemeinderat.. Im Moment planen sie jedenfalls ein internationales Festival, das im September in Yaguarón und den umliegenden Orten stattfinden wird und bei dem Gruppen aus Chile, Mexiko, Bolivien, Argentinien und Paraguay auftreten werden, Rosa hat mir heute das Programm gezeigt und mir erzählt, dass sie gerade sehr glücklich ist, weil ihr die Arbeit daran sehr viel Spaß macht! Evelyn und Marcello sind ein Paar und für die Musikschule hier und in den umliegenden Orten verantwortlich, also für den Unterricht, die Organisation und auch für mich! Darüber bin ich sehr froh, weil ich mich super mit ihnen verstehe, besonders mit Evelyn!
Der Musikunterricht
Am Samstag war ich außerdem das erste Mal mit in der Musikschule und es war gar nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt habe. Der Unterricht in der Musikschule findet immer samstags, montags und dienstags jeweils von 14 – 17 Uhr statt. Unterrichtet werden einmal Notenkunde (Tonleitern, Oktaven, Notenwerte, etc.) und Dirigieren und Rhythmik (dabei werden kurze Melodien geklatscht und gesungen und dazu dirigiert) und es gibt Einzelunterricht. Samstags wird auch in kleinen Ensembles gespielt und im Chor gesungen. Der Unterricht hier läuft nicht so geordnet ab, wie man es sich in Deutschland vielleicht vorstellen würde, das hat mich am Anfang etwas irritiert. Hier ist es so, dass es einen Raum gibt, dann den "Bürgersteig" und den "Hinterhof" (der ist ziemlich groß, ähnlich wie ein Schulhof). Es gibt dann verschiedene Gruppen, die unterschiedliche Dinge machen. Z.B. unterrichtet Russel im Raum Notenkunde währenddessen mache ich mit einer anderen Gruppe von Kindern draußen Rhythmus-Übungen (es stehen auf dem Bürgersteig so große Blumenkästen, die einen ca. 20cm breiten Steinrand haben, auf dem wir dann u.a. sitzen) und im Hof gibt Luis (er ist 20 Jahre und spielt Bass) Kontrabassunterricht und die anderen üben dort gleichzeitig. Nach 40 min. wechseln dann die Gruppen. Das, was mich zu Beginn so verwirrt hat, dass es irgendwie für mich keine Ordnung und nur heilloses Durcheinandergerenne und -gespiele war, macht mir jetzt gar nicht mehr so viel aus, weil ich das System durchschaut habe! Ich merke übrigens gerade, dass es unheimlich schwierig ist, weiterhin chronologisch zu erzählen, weil bisher schon so viel passiert ist, deshalb werde ich ab jetzt einzelne Themen weiter erläutern und hoffen, ich glaube, dass es dann leichter wird, mir zu folgen! ;)
Meine Freunde
Dass es mir hier so gut geht hat nicht zuletzt damit zu tun, dass ich hier super lieb aufgenommen wurde und schon viele Freunde gefunden habe! Das sind zum Beispiel Russel (21), Luis (20), José (19) und Alexandro (ich glaube 16), die Jungs aus der Musikschule. Die haben mich schon an meinem 2. Tag zu Hause abgeholt und mich zum "Spazierengehen" mitgenommen (die Jugendlichen laufen hier oft einfach durch den Ort oder setzen sich irgendwo hin und trinken dabei Terere). Außerdem sind das Evelyn und Marcello, die mich immer überall mit hinnehmen (zum Beispiel nach Itá, den Nachbarort) und mir alles zeigen und auch ein bisschen auf mich aufpassen (nicht dass das so dringend nötig wäre... ;)).
Und dann habe ich noch 2 tolle Freundinnen gefunden. Belen (sie ist 16 Jahre alt und spielt Geige in der Musikschule) und Vanessa, ihre Schwester (sie ist 19 Jahre alt und hat einen kleinen Salon, in dem eine Masseurin angestellt ist und sie selber macht so Gesichtsmassagen und so. Gleichzeitig studiert sie noch in Asunción, aber die Fachrichtung muss ich noch einmal genauer erfragen). Evelyn hat gesagt, dass ich wenn es mir bei Rosa zu langweilig ist und ich lieber mit Jugendlichen zusammenleben würde auch dorthin, also zu Belen und Vanessa ziehen könnte und auch Rosa hat mir das gesagt, aber ich fühle mich in meinem jetzigen Zuhause sehr wohl und die 3 Señoras haben auch gesagt, dass sie glücklich sind, dass ich da bin! :)
Das Essen
Das Essen hier ist immer super lecker! Morgens frühstücke ich meistens nur Milchkaffee mit Weißbrot und mittags kocht immer Rosas Schwester! Es gibt jeden Tag Fleisch, meistens Rindfleisch mit Reis oder Nudeln, die werden immer direkt in der Soße gekocht, also alles in einem Topf und das schmeckt einfach super lecker! :) Ansonsten gibt es zu jedem Essen Mandioka, das ist eine Wurzel, die gekocht wird und wie Kartoffeln schmeckt. Es gab auch schon „Sopa Paraguaya“, das ist eine Art Auflauf aus Maismehl und Käse und... hm ich weiß gar nicht genau was da noch drin ist, jedenfalls ist man von einem kleinen Stück schon total satt, es hat also wahrscheinlich (wie das meiste Essen hier) ziemlich viele Kalorien. Was außerdem super lecker ist: Empanadas (Teigtaschen mit Fleisch und gekochten Eiern, oder Käse, oder Gemüse gefüllt) und Tortillas (kleine Pfannkuchen mit Käse, die original so schmecken, wie Mamas Pfannkuchen und bisher mein absolutes Lieblingsessen sind!!!) und noch vieles mehr, was mir irgendwie grad nicht einfällt oder wo ich den Namen nicht weiß...
Fiestas
Am Samstag wurde ich von der Mama von Alexandro (er wohnt in Itá, genau wie Evelyn und Marcello und ich war mit den beiden dort um die Familie kennenzulernen) zu einer Fiesta eingeladen. Ich dachte es sei ein Fest, wo die ganze Familie ist und ein bisschen getrunken und getanzt wird. Letztendlich war es eine Party wo ich dann mit Alexandro, seinen Brüdern, Russel und Luis hingegangen bin und danach in Itá übernachtet habe. Die Fiestas dort beginnen irgendwie noch später als bei uns, wir waren um halb eins dort und es war noch nichts los, also sind wir später wieder hingegangen. Da war es auch noch ziemlich leer, weil alle Leute im Vip-Bereich waren, der irgendwie noch einmal Eintritt gekostet hätte. Aber dann hat Alexandros Bruder uns dorthin mitgenommen (umsonst) und es war ziemlich gut, ich hab viel getanzt und die Musik ist einfach toll, weil dieser Rhythmus hier einfach klasse ist. Ich kann immer nicht stillsitzen wenn hier irgendwo Musik läuft, ich hab immer das Bedürfnis sofort zu tanzen! :)
Musik
Also wie gesagt, ich finde die Musik von hier toll! Es wird viel Reggea-ton (ich glaub, so wird’s geschrieben) aber auch paraguayische Musik gehört. In der Musikschule spielen wir viel klassische Musik, also Beethoven, Telemann, etc. aber auch paraguayische Musik. Die ist für mich ziemlich schwierig bzw. gewöhnungsbedürftig, weil es mehrere Rhythmen gibt, der Bass zum Beispiel spielt immer einen Dreierrhythmus während die Melodie im Zweierrhythmus spielt. Das hört sich am Anfang so an, als spielen alle durcheinander aber mittlerweile find ich es ziemlich toll!
So, ich hab jetzt schon ziemlich lang geschrieben und ich muss jetzt aufhören, weil ich grad hier im örtlichen Radiosender sitze, hier darf ich umsonst ins Internet, aber erst ab 21 Uhr und es ist grad schon ziemlich spät, jetzt 22.30 und Rosa wartet glaub ich schon darauf, dass wir gehen...
Ganz liebe Grüsse, es geht mir wirklich sehr gut gerade und ich hoffe, in Deutschland läuft auch alles rund und ich freue mich immer von euch zu hören!!!
Eure Elisabeth
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- Elisabeth Tenberge war bis vor kurzem als Freiwillige im Musikprojekt "Sonidos de la Tierra" in Paraguay im Einsatz, wo sie Querflöte unterrichtet hat.

- Elisabeth mit ihrer Gastfamilie.







